WIENERIN Magazin
Hey, lass mir doch einen Tell da!
Hinterlass einen Tell

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Hallo! Ich bin dreifache Mutter aus Leidenschaft. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist es für mich mehr als schwierig, die Balance zu wahren. Einerseits die Balance zwischen (leider nötigem) Berufs- und Familienleben, andererseits die Balance zwischen Mutter und Ehefrau, aber auch die Balance zwischen Mutter und eigenständiger Person. Ich stehe jeden Werktag um 5:00 Uhr auf und beginne mit dem Alltag. Ins Bett gehe ich normalerweise zwischen 21:00 und 22:00 Uhr - dazwischen muss ich funktionieren. Zunächst für Frühstück und Jause herrichten, dann Kinder abgeben und arbeiten gehen, Kinder abholen und Abendessen bereiten, eventuell Lernhilfe, spielen mit dem Jüngsten, Streitereien (zwischen den Schwestern, zwischen Kindern und Papa, zwischen Schwester und Bruder) schlichten, pubertäre Anfälle abmildern und abprallen lassen....
Ich sage es noch einmal: Ich bin wirklich gerne Mutter, und ich nehme ebenso gerne alles in Kauf. Ich finde es allerdings FURCHTBAR, dass Katzen und Hunde in unseren Nachbarn, Mitmenschen... mehr Toleranz und Freude hervorbringen als Kinder. Ich kann mir immer wieder anhören: zu laut, zu lebhaft, störend, nervig... Es ist ein trauriges Zeichen, wenn fröhliches Lachen und Quietschen als nervig empfunden wird, es ist auch nicht besonders schön, wenn man im Berufsleben aufgrund der Tatsache, dass man Kinder hat, ständig zurückgesetzt und schlechter behandelt wird.
In Österreich ist es leider kaum möglich, Beruf und Familie zu vereinen, das zieht nach sich, dass immer weniger junge Leute Eltern werden wollen, und die fühlen sich dann durch "lärmende" Kinder wiederum gestört bzw. beeinträchtigt.... Vom Pensionssystem wollen wir gar nicht sprechen. Für Eltern wiederum wird es immer schwieriger, den finanziellen Spagat zu schaffen, vor allem für jene, die mehr als 2 Kinder haben. Kaum eine Reise ist für mehr als 2 Erwachsene mit 2 Kindern ausgelegt, auch beim Auto muss man zu den größeren greifen. Ab einem gewissen Alter will der Nachwuchs auch bestimmte Marken, um mithalten zu können, ganz abgesehen von den schulischen Extraleistungen (PC, Schikurs, Sprachreisen,...) Als Angestellter mit durchschnittlichem Gehalt ist das kaum finanzierbar, aber für die Förderungen bleibt natürlich zu viel übrig vom Einkommen.... Man möchte die Kinder aber auch nicht enttäuschen und spart halt anderswo - meist bei sich selbst. Da bleibt dann nicht mehr viel für die Beziehung übrig, und noch weniger für einen selbst.
Ich liebe meine Kinder, ich möchte noch eines. Mutter sein heißt aber auch, sich selbst für einige Zeit ganz hinten anzustellen, ohne anzunehmen, dass das irgendjemand auch nur bemerkt. Dessen muss man sich bewusst sein und es für sich annehmen können. Andernfalls bleibt bei aller Freude ein schaler Nachgeschmack.
Hallo,
vielen Dank für deinen Text und deine Zeit, wir haben uns sehr über deine Zeilen gefreut und möchten sie im Rahmen unserer Serie "Wienerin Stimmen" auf wienerin.at veröffentlichen.
Wir hoffen, du teilst auch bei einem der nächsten Themen deine Gedanken mit uns und den anderen UserInnen.
Alles Liebe aus der WIENERIN-Redaktion!
Ich bin 32 Jahre alt, ich habe berufsbegleitend meine Matura nachgeholt und danach studiert. Wie die meisten Frauen habe ich immer eine gewisse Vorstellung gehabt wie denn mein Leben Mal sein wird. Das sah so aus: erfolgreiche Karriere, mit dem Mann meiner Träume verheiratet und mit 29 Mama. Kennt ihr? :-) Tja...nicht Mal eine Katze weit und breit zu sehen :). Ich arbeite für einen internationalen Konzern, mit dem Ziel die Karriereleiter weiter hochzuklettern habe ich die letzten Jahre viel Energie in meine Arbeit hineingesteckt. Ich stehe derzeit beruflich nun vor genau dem Schritt auf den ich schon lange warte. Plötzlich merke ich wie sich um mich herum alles bezüglich eines bestimmten Themas geändert hat: Kinder! Ich werde plötzlich non-stop gefragt: "Wann ist es denn bei euch soweit?", "Plant ihr eigentlich schon ein Baby?". Meine Mutter und Schwester die immer sehr locker waren und stets gesagt haben ich soll mir Zeit lassen, das Leben genießen, dass heutzutage alles anders ist und man sich ruhig die Zeit nehmen soll...sogar die scheinen von allen guten Geistern verlassen worden zu sein. Sätze wie: "Na ja langsam solltest du wirklich über ein Kind nachdenken", "Du bist auch nicht mehr die Jüngste" (bei dem Satz springe ich auf sie drauf, ziehe sie an den Haaren, verpasse ihnen einige Watschen und schreie: ICH bin jung verdammt und das ist MEINE Entscheidung!!!!) Natürlich passiert das nur in meiner Fantasie :). Ich stecke das mit lockeren Sprüchen weg ABER ich merke wie das dennoch etwas in mir auslöst. Ja, es ist definitiv so dass ich mich seit ca. einem Jahr mehr mit dem Thema Kind angefreundet habe, besser gesagt kann ich es mir jetzt vorstellen. Ich sehe einfach was oft passiert wenn Frauen von der Karenz kommen...sie können nicht mehr einen 40 Stunden Job machen und dementsprechend bekommen sie auch nicht wirklich wieder eine gleichwertige Stelle die sie eventuell zuvor hatten. Ich habe jahrelang während meines Studiums die Freitagabende an denen all meine Freunde ausgegangen sind ausgelassen da ich am nächsten Tag Vorlesungen oder Prüfungen hatte. Ich habe dieses Studium neben meinem Job gemacht und es war alles Andere als leicht aber ich habe es gemacht weil ich gewusst habe dass mir diese Ausbildung später mehr Türen öffnen kann. Verdammt ich will dass sich das ausgezahlt hat, pfeif auf den Titel auf der Visitenkarte, ich möchte mich weiterentwickeln, etwas bewegen... Also nehme ich mir bitte die Freiheit wenn es kein Problem ist für all die die ja denken ich soll jetzt dann bald ein Baby bekommen und sage: Ich möchte noch Karriere machen! Ich habe das Gefühl man wird wenn man das als Frau so geradeaus sagt gleich als "Business bitch" abgestempelt. Es geht nicht darum dass der Job für mich an erster Stelle steht aber sehr wohl darum dass ich jetzt die Möglichkeit wahrnehmen kann und möchte um meine Bedürfnisse zu erfüllen ohne auf jemanden Rücksicht zu nehmen. Als geborene Löwin weiß ich nämlich jetzt schon dass meine Kinder für mich die höchste Priorität haben werden. Ich denke mir also wann wenn nicht jetzt?! Denn machen wir uns nichts vor...wenn du vor deiner ersten Karenz nicht schon die Karriereleiter etwas hochgeklettert bist wirst du es erst recht nicht wenn du 20 oder 30 Stunden nach der Karenz zurückkommst tun. Kann man natürlich nicht pauschalisieren. Ich hatte letzten Samstag meinen 2 1/2 Jährigen Neffen bei mir, ein zum Anbeißen süßer, herziger kleiner Satansbraten :). Ich war am Abend erledigt, ich habe meiner Schwester auf Spaß am nächsten Tag gesagt dass ich nach dem Tag definitiv weiß dass ich mir mit einem Baby länger Zeit lassen möchte. Ihre Antwort: "Sag so etwas bitte nicht, sei nicht so egoistisch. Mit den eigenen Kindern ist es wieder was anderes". Oh my god...ich habe doch nicht gesagt dass ich keine Kinder will auch nicht dass ich sie schrecklich finde. Ich habe doch wohl das Recht für mich zu entscheiden dass ich gerne noch bewusst die Zeit genießen möchte wo ich eben nicht diese Verantwortung und Verpflichtung habe! Das wird doch wohl erlaubt sein?!Ich habe vor einigen Monaten eine kleine berufliche Krise gehabt und eine Kollegin meinte ich solle doch schwanger werden, auf was ich noch warten würde, es wäre jetzt wo ich gerade beruflich die Nase voll habe der beste Zeitpunkt. Meine Fantasie meldete sich auch hier sofort und machte ein paar unschöne Dinge mit ihr. Nein, ich werde nicht schwanger werden weil ich beruflich nicht zufrieden bin. Von meinen früheren Vorstellungen wie mein Leben aussehen sollte habe ich euch am Anfang geschildert. Vieles davon ist bei weitem nicht eingetreten aber einer Sache bleibe ich treu weil ich von ihr überzeugt bin und sie für mich nur so richtig ist...ich werde mich irgendwann aus folgenden Gründen für ein Baby entscheiden: aus purer Liebe für den Mann bei dem ich das Gefühl habe "YES, the love of my life" (Katze gibt es keine aber ihn gibt es tatsächlich ♥), weil wir beide gemeinsam entscheiden dass wir uns ein Kind wünschen. Wie seht ihr das Ladies? Seid ihr manchmal im beruflichen Leben in so einer Situation wo ihr euch denkt "Ach, eigentlich wäre jetzt ein guter Zeitpunkt schwanger zu werden."? So, ich bremse mich jetzt...könnte noch ewig schreiben. Eines aber noch zum Abschluss: Liebe neugierige Bekannte, Freunde, Kollegen, Menschen...jemanden zu fragen wann sie oder er denn Nachwuchs bekommt, warum sie noch keinen haben oder ähnliches...dieses Thema ist eigentlich so etwas intimes und privates. Vielleicht fragt ihr in dem Moment Menschen die es schon lange versuchen es aber nicht klappt, eine Frau die eine Fehlgeburt hatte usw. und genau da streut ihr Salz in eine offene Wunde. In diesem Sinn: “You must never be fearful about what you are doing when it is right.” Flüstert mir meine Seele immer wieder im Leben zu ;-) Küsse, Soulwhisper
Liebe Soulwhisper,
vielen Dank für deine ehrlichen Worte, viele aus unserer Redaktion haben sich darin wiedergefunden und deine Gedanken machen sich viele Frauen an dem einen oder anderen Punkt in ihrem Leben, da sind wir uns sicher. Deshalb möchten wir deinen Text als ersten unserer neuen WIENERIN Stimmen-Reihe veröffentlichen, du wirst ihn noch heute bei uns finden!
Wir hoffen, bald wieder von dir zu lesen, und schicken dir liebe Grüße aus der WIENERIN-Redaktion